Die dunkle Seite von Mutter Natur

Frisch aus der Druckerei geflattert und gerade bei Lektora erschienen ist mein neuer Gedichtband mit Illustrationen von Ruth Zadow: 


Die dunkle Seite von Mutter Natur - Von Eichhörchen, Murmeltieren und weniger niedlichen Kreaturen 

ISBN: 978-3-95461-223-9


 

Hier ein paar Einblicke:

 

Die dunkle Seite von Mutter Natur

oder Niedlich, friedlich, widerlich

Das Eichhörnchen, ein putz'ges Tier,
frisst gerne Wal- und Haselnuss,
kennt keinen Geiz, kennt keine Gier,
es nimmt sich nur soviel es muss.

Das Eichhorn hüpft von Ast zu Ast,
es bewegt sich schnell und flink,
kennt keine Ruh, kennt keine Rast,
doch kennt es Amsel, Star und Fink.

Und weiß, wo diese Vögel wohnen,
im Dickicht ihre Nester thronen.
Denn wenn die Nuss-Saison vorbei,
die Lager leer, so Mitte Mai,
ändert es sein Fressverhalten,
benimmt sich plötzlich ungehalten.
Mampft jetzt kleine Amsel-Kinder
Und mutiert zum Vogel-Schinder.

Groß wird beim Menschen dann die Wut,
Und Unverständnis macht sich breit.
Wenn so was Süßes töten tut!
Natur ist auch oft Grausamkeit.


Frosch am Hals

Ein Froschweib still am Weiher saß,
bis stiller sie ein Reiher fraß.
Doch dieses Fröschlein sich zu braten,
damit war er schlecht beraten.
Denn den Froschmann von der Alten,
sah man im Wald als Anwalt walten.
Der langen Rede kurzer Sinn,
er schleppt den Strolch zum Kadi hin.
Der zagte nicht, kein langes warten,
er sprach 'nen Richterspruch, 'nen harten.

Und am nächsten Morgen schon,
stand der Reiher unter Strom.
Es dauerte kaum zehn Minuten,
da fing der Vogel an, zu bluten,
sein Federkleid ward purpurrot,
erst Stunden später war er tot.

Halt die Augen auf und wache,
dein Tod ist des Amphibiums Rache.


 

Kein Meeresrauschen

Die Muschel schaut, als könnt sie reden.
Doch steht ihr Schädel gähnend offen,
weil sie tot ist und deswegen
kann Mensch nicht auf Geräusche hoffen.

 

Der Rammler

Im Gerichtssaal steht der Fuchs.
Am Arsch fehlt ihm der Haarbewuchs.

Der Richter fragt: Wie kann das kommen?
Dazu der Fuchs noch ganz benommen:
Wer hat von hinten mich genommen!

Ich glaube fast, es war der Bär,
sein Schwanz ist groß und mächtig schwer.

Der Bär sagt: Was du mieses Schwein,
ich soll das gewesen sein?
Ich war den ganzen Tag allein!

Dann war's ein Stinktier oder Fisch,
mein Hinterteil riecht fürchterlich.

Ich war es nicht, sagt da der Aal,
für andre ist das zwar normal,
ich vögle jedoch nie anal.

Da meldet sich die Zeugin Ratte:
Der Hase war's, die Hasenlatte!

Von hinten ist er rangeschlichen,
der Fuchs im Schlaf ist nicht gewichen,
es hat 'nem Rodeo geglichen.

So hat das Blatt sich nachts gewendet,
der Hase hat den Fuchs geschändet. 


Eichhörnchen

- ein etymologisches Gedicht

Warum ein Nager Hörnchen heißt,
der nun mal keine Hörner trägt!?
Erdachte dies ein kluger Geist?
Hat sie gar jemand abgesägt?

Man kann es nicht mehr recht erklären,
deshalb möcht' ich Gerüchte nähren,
dass es sich wohl so verhält,
ob’s stimmt, dass sei dahingestellt,
dass des Geschöpfes Pinsel-Ohr'n,
ausseh'n wie je ein kleines Horn!?
Und weil es, wie gesagt, recht klein,
muss Horn, dann eben Hörnchen sein.
 
Die Silbe Eich-, dass ist jetzt wahr,
und außerdem leicht aussprechbar,
ist Grünpflanzen-Vokabular.
Auf Eichen, dass ist nachprüfbar,
sind Hörnchen öfters auffindbar.

Doch im Prinzip und eigentlich
ist diese Deutung unsachlich.

Hätte das Hörnchen 'ne Latte,
einen Schwanz, der lang, dünn und auch nackt
Dann hieße es vielleicht Eichratte!?
Hätte namentlich komplett verkackt.
 
 
 

Ohne Worte

Der Eichelhäher, der Eichelhäher,
der produziert kein Speichel mehr.

Kein Tönchen ist ihm zu entlocken,
sein Schnabel schon seit Tagen trocken! -
Wie soll er jetzt die Häherin locken?

Der Eichelhäher, der Eichelhäher,
er wirft ‘ne Eichel zu ihr her.
Jetzt weiß sie es ganz ohne singen,
der Eichelhäher will mich bespringen. 


Oktopus & Oktober

Oktober und Oktopus
haben nichts Gemeinsamus.

Der Oktober ist nicht mal Tier!
Der 'Pus hat Arme: Zwei mal vier.

Mit diesen Armen fängt er Beute.
Er tat es gestern, auch schon heute... --

Doch morgen wird er's nicht mehr tun.
Geschockfrostet im Beutel ruh'n
seine kleinen Arme nun,
neben Pizza, Eis und Huhn. 


Richtig rum

Das Nashorn trägt sein Horn stets vorn,
denn wär‘ es anders rum geborn,

hieße es wohl – Arschhorn. 

 

Verdauung

Was übrig bleibt von vielen Dingen,
dass möchte gern ich hier besingen.

Ob jung, ob alt, ob reich, ob arm,
es eint sie Magen und auch Darm.
Dort werden aus Fressalien
Nach kurzer Zeit Fäkalien.

Die Dinge, die so übrig bleiben,
will ich näher nun beschreiben.

Mensch, Schwein, Hund, ja selbst der dürrste
produzieren harte Würste.
Manchmal gibt’s nen weichen Brei,
das sprengt die Schüssel dann entzwei!

Wenn Kühe ihren Kot entladen,
spricht man landläufig vom Fladen.
Sind Reh und Hase kerngesund,
kütteln sie stets braun und rund.

Rund ist auch der Dung vom Pferd.
Als Apfel aus dem Arsch zur Erd'.
Noch wissens- und bemerkenswert:
Beim Mistkäfer als Schmuck begehrt.

Farben, Formen und Gerüche
Wie in des Alchemisten Küche.

Es gibt so große Kackehaufen,
dass selbst Toiletten überlaufen.

Was übrig bleibt – Wer kennt es nicht?!
In diesem Fall ein Scheiß-Gedicht!


Blick aus dem Fenster

Im Rosenbeet,
dort, wo wir die Katze begruben,
ficken gerade zwei Vögel.

Das ist natürlich unmenschlich!